Im Internet schwirren unzählige Artikel zum Thema ‚optimaler Körperfettanteil‘ herum. Insbesondere im Powerlifting aber auch im Gewichtheben wird die Philosophie vertreten, immer etwas mehr auf den Rippen zu haben, um die eigene Kraft zu steigern. Es mag dafür Befürworter geben und vielleicht auch wissenschaftliche Untersuchungen. Doch darauf möchte ich heute gar nicht eingehen. Vielmehr möchte ich euch mit ein paar Gedankengängen meinerseits, insbesondere zur Frage des Körperfettanteils, teilhaben lassen.

Zu Anfang möchte ich klar stellen: Ich habe keine eigene Erfahrung in Kampfsportarten, ich bin kein Leichtathlet, meine Erfahrung beschränkt sich lediglich auf das klassische Krafttraining, CrossFit und durch das mittlerweile verfolgte Cheerleading auch auf Bodenturnen. Für den ein oder anderen mag ich mich etwas weit aus dem Fenster lehnen, doch wie gesagt, es sind lediglich Gedankengänge und keine Äußerungen eines Faktes oder die Klarstellung einer Regel.

Gekommen bin ich zu diesen Gedankengängen durch die Filme Rocky und die heutigen großen Boxkämpfe der Klitschkos, in welchen sie zumeist stark dominieren. Aber auch die Erfahrung der laufenden Wettkampfvorbereitung bestätigt meine persönliche Meinung in dieser Hinsicht.

[caption id="attachment_627" align="alignleft" width="300"] Rocky in seiner ‘Bestform’[/caption]

Nun betrachten wir einmal die Gegner, gegen welche die Klitschkos kämpfen. Einige von ihnen sind oftmals kleiner. Teilweise bis zu einem Kopf. Ich setze mich nicht im Detail mit dem von ihnen auf die Waage gebrachtem Gewicht auseinander, ABER es ist auffällig, dass viele dieser Athleten weit mehr Körperfett mit sich rumtragen als beispielsweise die Klitschkos selbst. Ich ziehe aus dieser Tatsache für mich den Schluss, dass viele dieser Athleten es sich aufgrund der Gewichtsklasse nicht erlauben können, mit dem Gewicht weiter runter zu gehen. Die Folge ist demnach: Eine Menge Körperfett und somit eine Menge ‚tote‘ Masse.

An dieser Stelle einmal ein Selbstversuch: Ermittelt das aktuelles Gewicht, macht einen … Lauf oder AMRAP Pullups… auf Zeit. Anschließend erhöht man das Gewicht (man kann auch mit einer Diät euer Körpergewicht über 4 Wochen reduzieren) um 2-3kg. Startet den Versuch erneut und vergleicht die Ergebnisse. Man wird feststellen, dass das Ergebnis mit weniger Gewicht besser sein wird bzw. sollte.

Ich habe mit keinem dieser Athleten selbst gesprochen, doch frage ich mich, „Warum?“ Die Vermutung, die ich anstelle, ist folgende: Sie tun dies, um in der „Königsklasse“ kämpfen zu können, um in der Gewichtsklasse zu bleiben. Das führt mich zur nächsten Frage: „Wozu?“ Jedes g Fett, das am Körper klebt, muss durch Muskelkraft bewegt werden. Der eigene Körper muss dafür Energie aufbringen. Dieser entscheidende Unterschied kann zwischen Sieg oder Niederlage entscheiden. Was bringt es, ein noch so guter Athlet zu sein, sich aber in einer höheren Gewichtsklasse zu behaupten, durch den eigenen Körperfettanteil jedoch gehandicapt zu sein. Nicht genug wird entsteht ein weiteres Handicap durch die unterschiedliche Körpergröße. Jetzt mag einer hergehen und behaupten: Masse multipliziert mit Geschwindigkeit, wenn es knallt, dann knallt es. In Bezug auf Muskelmasse gebe ich da vollkommen recht, insbesondere dann, wenn sie funktionell ist. Fettmasse ist in meinen Augen aber leere, für einen Wettkampf selbst (bis zu einem gewissen Punkt) nutzlose Masse, welche nur Kraft und Energie raubt.

[caption id="attachment_628" align="alignleft" width="300"] CrossFit ist mehr als schwere Gewichte[/caption]

Aber auch für CrossFit trifft das Ganze zu. Es ist nicht notwendig, außerhalb einer Wettkampfphase ripped und abgezogen rumzulaufen. Keineswegs, denn nicht umsonst gibt es eine Unterscheidung in Off-Season und On-Season. Die oben aufgeführten Argumente der Verfechter eines hohen Körpergewichts mit viel „toter“ Masse mögen richtig sein, wenn es darum geht Kraft aufzubauen, doch CrossFit ist kein Sport in dem es nur darum geht schwere Gewichte zu bewegen. Gymnastics Übungen bilden einen maßgeblichen Anteil und das bedeutet den eigenen Körper durch den Raum zu bewegen. Wenn man nun also für einen Wettkampf das Gewicht um 5kg reduziert bedeutet dies sicherlich nicht, dass die Maximalkraftleistung innerhalb der Wettkampfsaison um 50% fällt. Im Gegenteil, die korrekte und saubere Gewichtsreduktion bedarf eines anständigen Essverhaltens und oftmals führt dieses Essverhalten zu einer Leistungssteigerung. Ich sage das in diesem Fall nicht nur so dahin, ich habe es an mir selber festgestellt. Wer sich also als Competitor unter Beweis stellen möchte und bestrebt ist, möglichst gute Ergebnisse und Platzierungen zu erzielen, der sollte stets die Komponente Körperfettanteil und Ernährung nicht vernachlässigen, geschweige denn aus den Augen verlieren. Nicht nur, dass eine korrekte, saubere Ernährung für den Moment leistungssteigernd ist, sie wirkt sich auch positiv auf den Regenerationsprozess aus. Ein optimierter Regenerationsprozess wiederum bedeutet einen schnelleren Einsatz des vollen Potentials und die Konsequenz: Eine Optimierung des Ergebnisses.

[caption id="attachment_629" align="alignleft" width="300"] Ernährung als taktisch strategische Komponente[/caption]

Ich möchte auf diesem Wege nicht raten, den Körperfettanteil für jeden Wettkampf auf ein Minimum zu reduzieren. Im Gegenteil: Ein Mindestmaß an Körperfett benötigt man, denn irgendwann (aus meiner Erfahrung heraus und für mich auch logisch) kommt ein Punkt, an dem man einen Leistungseinbruch erleidet bzw. der Körper euch Fehltritte in der Ernährung nur noch bedingt verzeiht. Hier sind Ausprobieren und individuelle Erfahrung sammeln entscheidende Faktoren. Wichtig jedoch ist: Das korrekte taktische Verhalten in dieser Hinsicht kann zwischen Sieg oder Niederlage, zwischen Qualifikation oder Ausscheiden entscheidend sein.

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