Zu dem Zeitpunkt zu welchem ich den Report für euch verfasse befinde ich mich im Zug, auf dem Weg zurück nach München. Ich kann mit etwa 2h Fahrtzeit rechnen und ich kann euch sagen, ich bin ganz schön platt! Die Meisterschaft als solches… ich sage einmal politisch korrekt und freundlich… hatte so ihre organisatorischen Missstände, wie es eben bei dem ersten Ablauf einer solchen Meisterschaft so der Fall ist. Inhalt des Reports soll aber gar nicht mal der organisatorische Ablauf sein.

Kurz, wie hat mein Tag angefangen: Um 04:30 Uhr bin ich aufgestanden und habe meine Sachen soweit fertig gepackt um mit dem Zug um 06:30 in Richtung Passau zu fahren. Mit einem Gewicht von glatt 70kg habe ich mich auf den Weg gemacht. In Passau selbst hat mich dann mein Athletenkollege und guter Freund Nicolas Rojas mit seiner Frau Maria und einem seiner Athleten Jannek eingeladen und wir sind weiter in Richtung Austragungsort der ersten österreichischen Meisterschaft der ANBF (Austrian Natural Bodybuilding Ferderation) in Sankt Martin im Mühlkreis. Nach ca. einer weiteren Stunde Autofahrt angekommen haben wir uns ‚eingecheckt‘ und soweit vorbereitet. Nicolas war – wie nicht anders zu erwarten – in einer super Form. Er hat sich nicht weiter auf den Wettkampf vorbereitet und sein ganz normales Alltagsprogramm durchgezogen. Super Leistung von ihm.

[caption id="attachment_249" align="alignleft" width="300"]Maria trägt Farbe auf Maria trägt Farbe auf[/caption]

Nach dem Checkin und unserer üblichen Vorbereitungen wie dem Auftragen der Farbe gab es noch einige Gewichtsklassenänderungen. Scheinbar hatten sie für die Gewichtsklasse bis 70 und bis 75kg zu wenig Athleten, so dass sie beide Gewichtsklassen zusammengelegt haben. Für mich mit 69,5kg Wettkampfgewicht und somit als leichterer Athlet bedeutete dies natürlich einen härteren Kampf. Zwar sind die meisten Athleten in der höheren Gewichtsklasse auch größer. Trotzdem haben sie die Möglichkeit 5kg mehr Fleisch in Form zu bringen..

[caption id="attachment_251" align="alignleft" width="300"]Die Finalisten der Leichtgewichtsklasse. Die Finalisten der Leichtgewichtsklasse.[/caption]

Aber davon einmal abgesehen ist eine große Sache in ‚Erfüllung‘ gegangen. Nicolas und ich durften uns auf der Bühne an einem regulären Wettkampf ein kleines Battle geben. Ich habe mich schon länger darauf gefreut, dass ich mich mit ihm einmal auf der Bühne messen darf und ich kann euch sagen: Der Kampf war ziemlich hart und der Muskelkater in den Beinen ist unausweichlich.

Nach einer herausfordernden Vorwahl, mit verhältnismäßig vielen Athleten, wurden die 6 Finalisten bekannt gegeben. Zu ihnen gehörten auch Nicolas und Ich. Natürlich bekommt man nach der Vorwahl eine Menge Feedback und die Einschätzung anderer Athleten sowie Betreuer und Trainer. Diese waren durchweg positiv. Manch einer hat mich auf Platz 1 gesehen, andere wiederum haben den Sieg bei Nico gesehen. Auch das Verhalten der Jury, ob sie bspw. spezielle Vergleiche zwischen Athleten fordert, gibt einem Aufschluss darauf, in welchem Platzierungsbereich sich welche Athleten befinden. In unserem Fall hat die Jury Nicolas und mich im ersten Vergleich sehen wollen und wir wurden für den zweiten Vergleich ausgetauscht. Hm… Okay, lasst mich euch kurz versuchen zu erklären, wie ein solcher Wettkampf abläuft. Für gewöhnlich ist ein Wettkampf in Vorwahl und Finale unterteilt. Das Finale hat meist eine maximale Kapazität von 5 oder 6 Athleten und die Vorwahl – wie soll es auch anders sein – dient dazu, die Finalisten zu bestimmen. Eigentlich soll im Finale der Finalist, der Sieger der Gewichtsklasse bestimmt werden – zumeist jedoch ist der Finalist bereits in der Vorwahl entschieden.

Die Vorwahl selbst unterscheidet sich noch einmal. Nach einer erste Begutachtung der Athleten werden die so genannten ‚Lineups‘ oder ‚Callouts‘ aufgerufen. Es existieren durchaus beide Begriffe im Wettkampfbodybuilding. Die ‚Lineup‘ oder ‚Callout‘ Nr., d.h. ob du dich im ersten, zweiten oder dritten befindest, gibt Aufschluss darüber, wo dich die Jury sieht. Die erste Auswahl sind zumeist die Potentiellen Finalisten und Topplatzierungen. Findet ein Vergleich zwischen ausgewählten Athleten dieses ‚Lineups‘ statt, so ist anzunehmen, dass es sich um die zwei Topplatzierungen handelt. Ebenso ist es immer ein gutes Zeichen, wenn die Jury einen Athleten in der Mitte platziert. Die Platzierung in der Mitte bedeutet ebenfalls zumeist die oder eine Topplatzierung. So geht das die Vorwahl in allen Gewichtsklassen durch. Auf den meisten Wettkämpfen findet zu Beginn des Finales eine Kür statt. Diese soll ebenfalls in die Bewertung mit einfließen. Oftmals jedoch genießt die Kür – wenn überhaupt – nur einen sehr geringen Stellenwert.

[caption id="attachment_253" align="alignleft" width="300"]Ausschnitt aus der Kürpräsentation Ausschnitt aus der Kürpräsentation[/caption]

Was wird bewertet? Bei bspw. den Verbänden der GNBF und ANBFgibt es eine Symmetrierunde sowie eine anschließende Runde mit 7 Pflichtposen. In der Symmetrierunde wird vor allem die Ausgeglichenheit des Körpers bewertet. Gibt es irgendwo schwächen, ist die linke Seite besser ausgeprägt als die rechte, passen die Beine zum Oberkörper etc. pp.

In den Pflichtposen geht es vor allem um Muskelmasse und Definition sowie die Härte. Es ist nicht immer leicht, alle Kriterien objektiv zu bewerten. Bodybuilding ist nach wie vor eine Präsentationssportart und da spielt die charakterliche Ausstrahlung eine ganz entscheidende Rolle.

Nach einem Crashkurs in Sachen „Wie funktioniert ein Bodybuilding Wettkampf?“ nun zurück zum eigentlichen Thema: Zu den Finalisten gehörten auch Nicolas und Ich…. Laut Aussagen dritter Parteien war das Battle sehr, sehr knapp zwischen Nicolas und mir. Das baut natürlich auf und pusht noch einmal die Motivation für die deutsche Meisterschaft, ist aber auch gefährlich denn ehe man sich versieht geratet man in einen nicht aufhaltbaren Höhenflug und wie allgemein bekannt ist, kommt Hochmut vor dem Fall. Nicolas holte also den Sieger der Leichtgewichtsklasse bis 75kg und anschließend gewann er noch das Gesamtsiegerstechen. Ich belegte den 2ten Platz der Leichtgewichtsklasse bis 75kg.

Unabhängig von der Platzierung war das Ziel erreicht. Der Wettkampf diente lediglich als Probelauf. Weder wurde das Beintraining ausgesetzt, noch wurde dem Körper ‚rechtzeitig‘ eine Erholung gegönnt. Für gewöhnlich hört man Montag/Dienstag, aller spätestens Mittwoch vor dem Wettkampf mit dem Training auf, um dem Körper den Donnerstag sowie Freitag die Möglichkeit zu schenken Kraft zu tanken. Die Entwässerung ist bereits mehr als genug Belastung und ein solcher Wettkampftag ist ebenfalls anstrengend. Auch diente der Wettkampf zur Erprobung eines neuen Konzepts zur Entwässerungs- und Aufladephase. Hier bedarf es aber noch weiterer Optimierung welche mit Michael Metzger besprochen werden. Ich glaube nämlich, dass mich das Laden ein wenig an Härte gekostet hat und vom Volumen her gar nicht notwendig gewesen wäre. Nach einer Analyse von Bild- und Videomaterial werde ich in dieser Hinsicht hoffentlich mehr wissen.

Zum Abschluss und vor Antritt der Heimreise sind wir mit der kompletten Gruppe (insgesamt ca. 15 Leuts) noch essen gegangen. Als Restaurant wurde eine kleine, feine Pizzeria ausgewählt.

[caption id="attachment_254" align="alignleft" width="300"]Die Athleten rund um Nicolas Rojas und Ich Die Athleten rund um Nicolas Rojas und Ich[/caption]

Abschließend lässt sich noch einmal festhalten: Der Wettkampftag war anstrengend, hat aber eine Menge Spaß gemacht. Ich hatte super Leute um mich herum, neue Bekanntschaften gemacht, Verbindungen geknüpft und der Zusammenhalt im Team Rojas (mit mir als „Stiefathlet“ ;-)) gestärkt. Interessant zu sehen war ebenfalls, wie stark die österreichische Meisterschaft mit deutschen Athleten besetzt war und welche Qualität in der Masse der deutschen Athleten vorhanden gewesen ist. Für mich war es eine Art ‚Genugtuung‘ in einem direkten Vergleich mit Nicolas auf der Bühne zu stehen und den Kampf mit ihm aufzunehmen, auch wenn die Revanche lange auf sich warten lassen wird.

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