Ziemlich provokativer Titel, nicht? Recht so. Ich bin CrossFitter. Das sage ich mit Überzeugung und stolz! Mein Herz schlägt für diesen Sport, für die Philosophie die hinter und in diesem Sport steckt. Wenn ich anderen erzähle, dass ich CrossFit mache, wurde ich meist mit zwei Reaktionen konfrontiert: Die erste, ein verdutztes und sehr fragendes Gesicht auch gleich mit der Frage: „Was ist denn CrossFit“ oder die zweite „Ja das kenne ich, die machen sich alle nur kaputt“. Bei der zweiten Reaktion habe ich mich gefragt, wieso die Leute auf diese Idee kommen. Gut, die Antwort ließ nicht lange auf sich warten da durch die Medien mit dem Begriff CrossFit in erster Linie die Games in Verbindung gebracht wurden und sich solch ein Sport mit komplexen Bewegungsmustern, mit schneller Ausführung im hohen Wiederholungsbereich und dann noch auf Wettkampfebene berechtigterweise mit Kritik auseinander setzen muss. Im Übrigen ein Prunkt weshalb auch ich anfangs skeptisch gewesen bin. Innerhalb der Szene sind wir uns einig – fast zumindest! Das ist nur ein kleiner Bruchteil von CrossFit und auf gar keinen Fall der eigentliche und ursprüngliche Gedanke, die zugrunde liegende Philosophie von CrossFit. Das ist Wettkampf-Sport und Wettkampfsport auf höchstem Niveau ist einfach nicht gesund – außer vielleicht Schach.

Die klassischen Fitnessstudios haben oft keine Ahnung von CrossFit – aber auch in einem Fitnessstudio kann ich CrossFitter sein.

In den letzten, gefühlt 1 bis 1,5 Jahre, mache ich zunehmend eine andere Erfahrung, die mit einer dritten Reaktion auf meine Aussage „Ich mache CrossFit“ zu tun hat und die da lautet „Cool, ich auch.“ Im Verlaufe des Gesprächs stellt sich raus, von mir benannter Mit-Pseudo-CrossFitter trainiert im Gym um die Ecke, vielleicht ein McFit, ein CleverFit oder das klassische Oldschool Gym in der Gegend – spielt auch keine Rolle. Tatsache ist, er trainiert nicht in einer Box. Im Grunde ist das nicht weiter schlimm. Um CrossFitter zu sein brauche ich nicht in einer Box zu trainiere. Ich selbst arbeite an einem Plan und habe auch schon Athleten danach trainieren lassen, welcher das „CrossFit-Training“ in den normalen Studio-Alltag integrieren lässt. Diese Aussage sagt mir aber, dass es mit einer sehr, sehr, sehr, verdammt sehr hohen Wahrscheinlichkeit keinen Coach gibt, der sich mit CrossFit auskennt und mittlerweile gehe ich erst einmal davon aus, dass besagter Mit-Pseudo-CrossFitter über einen zumindest verbesserungswürdigen Beherrschungsgrad der Bewegungsausführung verfügt. Okay, mit der Deutlichkeit mit welcher ich den fehlenden Coach angedeutet habe, relativiere ich diesen Punkt auch gleich. Das Internet bietet viele Möglichkeiten und jeder der interessiert ist kann sich im Internet belesen und auch CrossFit kennenlernen und vor allem verstehen lernen. Deshalb führe ich das Gespräch natürlich weiter.

Unweigerlich komme ich mit besagten Mit-Pseudo-CrossFitter im Verlaufe des Gesprächs auch auf das Thema des Trainings selbst mit Fragen wie bspw. „Wie gestaltest du dein Training zur Steigerung der Kraft?“, „Welchem Programming folgst du?“, „Schreibst du dein eigenes Programming?“. Spätestens dann trennt sich die Spreu vom Weizen und der CrossFitter vom Mit-Pseudo-CrossFitter.

Das Training der Maximalkraft ist ein wesentlicher Bestandteil von CrossFit!

Letzterer reagiert meist ausweichend auf die Frage des Trainings der Kraft. Das Training der Kraft (um es zu konkretisieren: Maximalkraft) findet keine Berücksichtigung. „Damit mache ich mir nur alles kaputt“ oder „Maximalkraft brauch ich nicht“ – um nur zwei Beispiele zu nennen. Come on… Maximalkraft brauchst du nicht? CrossFit HQ, auf jedem Level-1 bekommst du es beigebracht und jeder guter CrossFit Coach und damit jede gute Box berücksichtigen das Training der Kraft/Maximalkraft weil es ein wesentlicher Bestandteil des Fortschritts und der CrossFit-Philosophie ist – was nicht heißt, dass du ein Kraftmonster werden musst. Nein, das heißt es nicht aber sie ist nun mal wesentlicher Bestandteil!

Eine andere gern vertretene Reaktion ist „Ja klar für mein Krafttraining mache ich einen Ganzkörper-Plan oder Split-Training mit den Übungen X, Y, Z – meist zusätzliche Isolationsübungen“. Sorry, aber auch das ist kein Krafttraining oder besser, kein Training der Maximalkraft im Sinne des CrossFit.

Es reicht vollkommen aus, wenn ihr euch an den Grundübungen, den so genannten Mainlifts (ich bezeichne sie zumindest so) Deadlift, Bench Press, Military Press und Squat orientiert und diese im niedrigen Wiederholungsbereich (maximal bis zu fünf) trainiert und das nicht unbedingt täglich aber pauschal alle 4 bis 7 Tage zumindest als einen Bestandteil mit einbaut.

In der Frage des Programmings trennt sich die Spreu vom Weizen und der Mit-Pseudo-CrossFitter vom CrossFitter!

Die CorssFitter die ich bisher kennen gelernt habe, haben darauf keine einfache und schnelle Antwort parat. Das Programming im CrossFit ist das meiner Meinung nach komplexeste an der ganzen Thematik CrossFit überhaupt. Es gibt immer was zu mäkeln. Es gibt immer ein Programming, das einem mehr Abwechslung bietet und dann wieder durch ein anderes abgelöst wird, weil neue Schwerpunkte gesetzt werden, aufgrund neuer Schwächen die sich aufgetan haben. Ich glaube es gibt kaum einen Sport in welchem so viel Programming-Vielfalt herrscht wie im CrossFit obwohl die Grundlage, die Philosophie immer die gleiche ist. Natürlich gibt es auch andere Sportarten (ich greife das Beispiel Bodybuilding auf) wo es bspw. durch unterschiedliche Wiederholungsbereiche oder Splits, eine sehr große Vielfalt gibt. Aber im Vergleich zum CrossFit, wo es da rum geht eine Unmenge an Fertig- und Fähigkeiten zu trainieren, ist Bodybuilding doch recht simpel.

Mein Gegenüber, der Mit-Pseudo-CrossFitter macht es sich da recht einfach und hat schnelle Antworten parat. Entweder er trainiert ohne programming und macht alles so, wie er gerade Lust und Laune hat oder er hat ein Training, ähnlich einem klassischen Krafttraining. Dabei wird ein WOD meist zum Abschluss des Trainings absolviert, doch gleichen sich die WODs in regelmäßigen Abständen – alle 5 bis 10 Tage bspw. Sorry Leute, ich hole euch mal auf den Boden der Tatsachen zurück: Das ist nichts anderes als Willkür oder ein klassisches Zirkeltraining und wird dem CrossFit alles andere als gerecht. Zwar gleicht sich im CrossFit ein WOD/Training nicht dem anderen, trotzdem ist es keine Willkür sondern ein durchdachtes und durchgeplantes Programming, welches auf einer Struktur aufbaut, um den Athleten weiter zu bringen und aus ihm einen Generalisten zu machen.

Nicht jeder Mit-Pseudo-CrossFitter ist gleich ein Mit-Pseudo-CrossFitter!

Natürlich kann ich es meinem Mit-Pseudo-CrossFitter zunächst nicht verübeln, dass er es macht wie er es macht. Woher soll ich und jeder andere wissen, wie er auf den Trichter CrossFit gekommen ist – ohne zu hinterfragen. Vielleicht ist er durch Erzählungen eines Freundes ans CrossFit gekommen, hat in einem schlauen Forum etwas darüber gelesen oder ist aufgrund von Fitnesszeitschriften, Blogs/Fitnessblogs die Mainstream sind, darauf gekommen und weiß es einfach nicht besser. Und natürlich versuche ich, ebenso wie die vielen anderen der Szene, welche aus Coachingsichtweise und mit Herzblut dabei sind solche „Fehlgeleiteten“ auf die richtige Spur zu bringen. Das machen wir gerne, weil wir überzeugt sind von dem was wir tun. Und da unterscheidet sich der Mit-Pseudo-CrossFitter vom Mit-Pseudo-CrossFitter. Die einen lassen sich auf das ein, was die mit Know-How sagen. Sie versuchen sich konstruktiv mit der Materie auseinander zu setzen und lassen sich was beibringen. Die anderen, die laufen mit hochgehaltener Nase durch das Gym, glauben sie sind cool, ziehen ihr Ding durch, lassen nicht mit sich reden und schaden dem Sport einfach nur – zumindest bei denen, die unwissend sind. Also verdammt hört auf zu behaupten ihr macht CrossFit denn dem ist nicht so. Das ist Bullshit!

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