Der hartnäckige Mode-Gag CrossFit Teil 1

„CrossFit ist schädlich und einfach Mist“

„Komplexe Übungen sollten nicht unter hoher Intensität ausgeführt werden. Dafür sind sie zu komplex. Deswegen ist CrossFit scheisse.“

„CrossFit ist nur ein Mode-Gag und wird wie vieles andere wieder schnell verschwinden.“

„Die Ausführung ist schlecht was zu Verletzungen führt und das wird durch CrossFit nur gepusht.“

Eine Menge Aussagen die alle in die gleiche Richtung schießen: CrossFit ist schlecht für die Gesundheit, nur ein Mode-Gag und verschwindet bald wieder.

Man kann CrossFit machen ohne CrossFit zu nutzen.

Doch betrachten wir einmal wie es aktuell aussieht: Der Begriff CrossFit ist in den letzten Jahren innerhalb der deutschen Fitness-Szene gewachsen. Ebenfalls sieht man heute eine Menge Boxen (Box ersetzt im CrossFit den Begriff Gym, Studio oder vergleichbares), vor allem in den Großstadtgebieten. Auffällig ist jedoch, dass in Peripherie-Gebieten das Wachstum der CrossFit-Boxen eher nachhinkt – meint man zumindest. Schaut man sich dort ein wenig genauer um, findet man sicherlich einige Studios die ein an die CrossFit-Methodik angelehntes Training anbieten nur nicht unter dem Namen CrossFit – denn um den Namen nutzen zu dürfen muss man jährlich zahlen.

Alte Märkte leben neu auf.

Einen CrossFitter erkennt man mittlerweile an seiner Kleidung – unweigerlich: Überall steht dick und fett CrossFit drauf. Mit der Szene entstehen neue Produkte. ‚Neue‘ Firmen suchen auch den deutschen Markt. Viele Branchen sind davon betroffen. Die Klamotten-Industrie, Nahrungsergänzung-Industrie, Equipment-Lieferanten usw.

Für die Hardliner ist alles an CrossFit neu und vollkommen.

Mit der wachsenden Bekanntheit des Begriffes CrossFit kommen die Hardliner und die Hater auf das Spielfeld. Die Hardliner leben für CrossFit und richten ihren kompletten Lifestyle danach aus. Für diese Gruppe gibt es neben CrossFit keine andere Sportart. Ich bekomme den Eindruck, dass CrossFit für diesen speziellen Personenkreis vollkommen ist. Scheinbar zählt nur noch die Leistung. Wer keine Leistung bringt, gehört nicht dazu. Wie so oft bei Hardlinern ist das eine extreme Interpretation der Sache die sicherlich nicht im Sinne des ‚Erfinders‘ ist. Im Zuge der Anpassung des Lifestyles an das CrossFit werden auch Ernährungsphilosophien adaptiert. Meinem Eindruck nach profitiert vor allem die Paleo-Bewegung durch die CrossFit-Bewegung. Sie wird als etwas ‚bedeutendes‘ und ‚Neues‘ verkauft. Tatsächlich ist es nur etwas bereits Bekanntes ein wenig verändert mit einem neuen Namen drauf.

Es gibt Hater die keine Ahnung haben oder Hardliner anderer Sportarten sind.

Die Hater hingegen stellen sich komplett gegen CrossFit. Sie stellen sich vor allem gegen den dazugehörigen Lifestyle. Um dem Hater gerecht zu werden, muss ich eine größere Differenzierung vornehmen. Es gibt die Haterdie – vor allem online – gegen diesen Namen und alles was dahinter steht wettern und nur das negative sehen bzw. sehen wollen. Meinem Eindruck nach hat sich der Großteil dieses Personenkreises noch nie konstruktiv mit der eigentlichen Mentalität CrossFit auseinander gesetzt. Einige von Ihnen sind lediglich die Hardliner einer anderen Sportart. Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass einige dieser von mir bezeichneten Hater eigentlich keine Ahnung von körperlicher Aktivität haben und nur auffallen wollen.

Der Anti-CrossFitter ist konstruktiv. Sein primäres Problem sind die CrossFit Coaches.

Dann gibt es noch jene die man als Anti-CrossFitter bezeichnen kann – siehe dazu „Den Anti-CrossFitter verstehen“. Diese haben sich bereits mehr mit der Materie auseinander gesetzt. Führe ich Diskussionen mit diesem Personenkreis so stelle ich schnell fest, dass einige bereit sind sich konstruktiv auf die Diskussion einzulassen. Dabei stelle ich unweigerlich fest, dass bei vielen der Kern der Antieinstellung aus der mangelnden Qualität der Coaches im CrossFit heraus rührt.

Nun seien wir doch einmal ehrlich: Geh in ein Fitnessstudio und schau dich einmal um. Beantworte mir die Frage wie viele Coaches gibt es dort die professionell arbeiten, kompetent sind und die noch Wert auf die Bedürfnisse ihrer Kunden legen? Einmal davon abgesehen, wie die Ausführungsqualität des gängigen Fitness-Studiogängers ist. Auch diejenigen denen man gewisse Erfolge ansieht gehören zu einem großen Teil dazu.

Ich denke es ist klar geworden, worauf ich hinaus möchte. Diese Probleme gibt es überall.

Bereits in dem Mehrteiler „CrossFit trifft Wettkampfbodybuilding Teil 1 bis Teil 5“ (Teil 2Teil 3Teil 4) könnt ihr einen Einblick in die offizielle Definition CrossFit, die Philosophie, die Methodik und vieles mehr gewinnen. Du kannst auch die Mentalität CrossFits erkennen und – wer sich darauf einlässt – verstehen.

CrossFit und CrossFit – Ein Begriff, zwei Bedeutungen!

Es gibt CrossFit und CrossFit und das sind zwei ganz wesentliche Unterschiede. Deshalb wird CrossFit oft missverstanden. Um jegliche Irritation aufzuklären: Damit ist nicht gemeint, dass es zwei verschiedene Arten gibt, CrossFit zu trainieren. Nein. Viel mehr möchte ich damit deutlich machen, dass es zu einer Verwischung zwischen dem kommerziell genutzten Begriff CrossFit und der Mentalität und Methodik CrossFit gibt. Dieses andere CrossFit kann man gar nicht richtig beschreiben: Ist es eine Identität, doch nur eine Methodik oder ein Lifestye? Vielleicht ist es eine ganze Überzeugung? Diese Meinung muss sich letztlich jeder selbst bilden. Ihr werdet auch feststellen, dass die Grenzen zwischen CrossFit und CrossFit nicht klar zu ziehen sind, wie es wünschenswert wäre.

CrossFit als Mentalität und Trainingsmethodik und eine Sportart – das Individuum, sein Fortschritt und seine Gesundheit stehen im Vordergrund.

CrossFit gibt es nicht erst seit Vorgestern und auch nicht erst seit 5 Jahren. Nagelt mich nicht auf das Datum fest. Bereits in den 80ern wurde CrossFit von Greg Glassman entwickelt. Erst irgendwann in den 90ern gab es das erste CrossFit-„Gym“ bzw. die erste CrossFit-„Box“ – wie auch immer ihr es nun nennen mögt. Dabei wurde CrossFit als ‚Trainingsmethodik‘ entwickelt.

Nach meiner Interpretation war das eigentlich Ziel dieser Methodik selbige, welche auch von CrossFit-HQ gelehrt wird: Eine möglichst hohe Fitness im jungen Alter aufbauen und diese über Jahre hinweg aufrecht erhalten.

CrossFit ist nur eine Adaption. Trotzdem ist CrossFit eine Sportart.

Der verfolgte Grundsatz ist das Generalisten-tum. Höchstes Ziel ist es immer, möglichst gut auf das unvorbereitete vorbereitet zu sein. Demnach ist es nahe liegend, dass diese Methodik die Kronjuwelen der verschiedenen Sportarten adaptiert hat.

Die Adaption aus den verschiedenen Sportarten birgt einen großen Kritikpunkt. CrossFit ist kein Sport heißt es. Dem darf man auch nicht vehement entgegentreten. Was diesen Kritikpunkt betrifft hat die Gegenseite durchaus Recht. Das ändert jedoch nichts daran, dass CrossFit anhand objektiv messbarer Kriterien einen Leistungsvergleich ermöglicht. Deshalb entstehen eine enorme Anzahl an Wettkämpfen. Die Bewegung hat sich organisiert und sucht den kämpferischen Vergleich. Aus diesem Blickwinkel ist die Bezeichnung Sportart durchaus passen.

Der Kern ist der Wettkampf gegen sich selbst.

Doch geht es eben nicht nur darum Leistung zu bringen und ein ‚krasser‘ Generalist zu werden. Der für mich wesentliche Kern CrossFits ist es an einem selbst gemessen zu trainieren, vorwärts zu kommen und besser zu werden. Dabei spielt es keine Rolle ob der links oder rechts neben mir wesentlich stärker oder schneller ist (Competition) sondern allein der Kampf gegen mich selbst zählt.

Gleichzeitig zielt das Trainingskonzept darauf ab dem Alltag gerecht zu werden. Es gibt kaum ein Trainingskonzept oder eine Trainingsmethodik, welche die Herausforderungen der Gesellschaft erkannt hat und so zielführend angreift. ABER: Es geht dabei nicht um den in den Köpfen scheinbar fest verankerten COMPETITION-Gedanken. Der COMPETITION-Gedanke ist der Wettkampf gegen andere und der Vergleich mit anderen. Es geht um die ureigene Definition im gesunden Alter eine möglichst hohe Fitness aufzubauen und diese über das Alter hinweg aufrecht zu halten.

Keine objektive Meinung, subjektiv, dennoch überzeugend: CrossFit ist annähernd vollkommen.

Es ist klar, dass zuvor geschildertes keine reine objektive Meinung sein kann. Wie auch? Ich selbst betreibe aktiv CrossFit und bin von dem Grundgedanken der Methodik überzeugt. Nichts desto trotz habe ich mich bereits mit einigen Trainingsmethoden auseinander gesetzt. Dabei komme ich immer auf das gleiche Ergebnis, egal was ich durchspiele. Die CrossFit-Methodik und ureigene Idee ist der beste Weg um den Herausforderungen der Bewegungsarmut in unserer Gesellschaft gerecht zu werden. Gleichzeitig ist es die beste Möglichkeit möglichst gut auf das unvorbereitete vorbereitet zu sein.

Der hartnäckige Mode-Gag CrossFit Teil 2
CrossFit meets Wettkampfbodybuilding – ein Rückblick

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