CrossFit-Bullshit-Zone: Olylifts, schnell und viele

CrossFit-Bullshit-Zone: Olylifts, möglichst schnell und möglichst viele.

Es sieht schon echt beeindruckend aus: schwere Gewichte, viele Wiederholungen, beeindruckende Bewegungsmuster und geil anfühlen tut es sich auch, wenn man mal wieder ein Benchmark (Vergleichs Workout) RX (prescribed – wie angeschrieben) mit einem neuem PR (personal record – persönlicher Rekord) raus gehauen hat. Das alles bleibt aber nicht ohne Kritik. Die wohl größte Kritik mit der CrossFit konfrontiert wird, ist die Ausführung von hochkomplexen Bewegungen wie bspw. die Übungen des olympischen Gewichthebens (kurz OlyLifts) unter hoher Intensität. Eben jene Bewegungsmuster die so sehr beeindruckend aussehen. Und True Story: Ganz unberechtigt ist diese Kritik nicht! Dabei hat CrossFit diesen Punkt im Kern schon von Anfang an verstanden.

Es muss zwischen Üben, Trainieren und Vergleichen unterschieden werden! Das Vergleichen lässt Üben nicht zu.

Eine Grundlegende Frage die ich mir immer stelle, die auch du dir stellen solltest und erst recht jeder (also auch dein) Coach: Was ist das Ziel? Üben, Trainieren oder gar Vergleichen? Letzteres ist simpel. Das ist der Wettkampf, der kämpferische Vergleich oder der Wettkampfgedanke. Mein Ziel ist ganz klar: Ich vergleiche mich anderen. Voraussetzung: RX. Klar, CrossFit skaliert aber das macht im kämpferischen Vergleich mit anderen echt wenig Sinn. Wie soll ich dann das Ergebnis mit dem eines anderen vergleichen? Damit kann ich das Vergleichen klar von Trainieren und Üben abgrenzen wobei Trainieren und Üben Voraussetzungen für das Vergleichen sind.

Wechselwirkung im Training

Was geübt wird kann trainiert werden, was trainiert werden soll muss vorher geübt worden sein. Üben bezieht sich auf vor allem auf das kognitive, Trainieren vor allem auf die Energiegewinnungswege und Bereitstellung von Leistung.

Trainieren und Üben sind zwei Dinge die eng miteinander verbunden sind. Was geübt wird oder wurde kann trainiert werden und umgekehrt, was trainiert werden soll muss vorher geübt worden sein.

Das Üben konzentriert sich vor allem auf das vornehmlich erfolgreiche Wiederholen von Tätigkeiten, Wissen, Bewegungsmustern oder Prozessen und setzt damit Reize zur kognitiven Verarbeitung um die ausführende/übende Tätigkeit zu erlernen, zu können, zu beherrschen. Das Stichwort hierbei ist klar: Das vornehmlich erfolgreiche Wiederholen. Ich glaub wir brauchen nicht darüber zu diskutieren, dass etwas Neues einfach sein muss, damit ich es erfolgreich durchführen kann. Erst was einfach gekonnt, besser noch, beherrscht wird kann unter zunehmender Schwierigkeit (mehr und mehr Gewicht) ausgeführt werden.

Beim Bund haben wir einen Grundsatz: Vom Einfachen zum Schweren. Sogar unser ganzes Leben baut auf diesem Grundsatz auf: Das Erlernen neuer Sprachen, zuerst Wörter, Grammatik, dann einfache Sätze und mit zunehmendem Vokabular hochkomplexe Texte oder Gespräche. In der Mathematik: Zuerst das Lernen von Zahlen, dann einfache Rechenoperatoren bis hin zu hochkomplexen mathematischen Formeln.

Das Trainieren hingegen konzentriert sich mehr auf das Setzen von Reizen, die mein Körper als Stress empfindet. Dadurch zwinge ich den Körper mit diesem Stress umzugehen, sich anzupassen und erzeuge eine Leistungssteigerung. Mit der Leistungssteigerung will ich in der nächsten Situation besser mit der Reizsetzung umgehen können. Etwas Trainieren bezieht sich also in erster Linie auf die Energiegewinnungswege und den Bewegungsapparat.

Okay, fasse ich kurz zusammen: Ich benötige leichte Bedingungen um eine Sache neu zu erlernen und den Grad der Beherrschung zu erreichen, damit ich etwas Trainieren kann um mich dann wiederum mit anderen zu Vergleichen. Damit ist doch schon alles gesagt. Eigentlich… Ich will das trotzdem noch etwas ausführen.

Anfänger sollten sich auf keinen Fall in komplexen und hochkomplexen Übungen unter Bedingungen der hohen Intensität Vergleichen, sie allerhöchsten Trainieren, besser noch zuerst nur Üben!

Hey, es ist überhaupt kein Problem wenn du als Anfänger einsteigst, zwei drei Einheiten druch hast und dich in deiner Kraftleistung mit anderen vergleichst. So What, jeder macht das. Das ist auch wichtig. Im CrossFit nennen wir das Threshold Training (Türschwellen Training). Um weiter zu kommen musst du auch mal über die Türschwelle drüber treten obwohl du nicht weißt was kommt, du also nicht sicher bist ob du das folgende beherrschst. ABER: Fängst du als Anfänger direkt mit OlyLifts in WODs an, obwohl du diese nicht mal im Ansatz beherrschst, geschweige denn kannst, lässt du viele unsaubere und durchaus „falsche“ Ausführungen zu. Vom Verletzungspotential rede ich jetzt mal nicht. Im Gegenteil: Für den Moment gesehen ist es wohl das Beste, dass du dich gleich verletzt – zumal davon auszugehen ist, dass die Verletzung – vorerst – keine nachhaltige sein wird. Dann hörst du aber immerhin auf mit dem Mist. Nein, die größte Problematik sehe ich darin, dass du damit ein falsches Bewegungsmuster einschleifst. Im schlimmsten Fall überträgt sich dieses falsche Bewegungsmuster auf deinen Alltag, bspw. falsches Aufheben von „schweren“ Gegenständen wie Getränkekisten. Spätestens dann können wir davon reden, dass dir dein Sport langfristige gesundheitliche Beeinträchtigungen mitgegeben hat, welche vermeidbar gewesen wären. Aber auch leistungstechnisch wirst du Nachteile haben, weil du für jede „unsaubere“ oder gar „falsche“ Wiederholung unnötig Energie aufbringst, die du nicht hättest aufbringen müssen. Im schlimmsten Fall war die Wiederholung um sonst weil es als NoRep gewertet wird. Und glaub mir NoReps sind scheiße! Damit ist die Ausführung ineffizient und verglichen mit einem ähnlich leistungsstarken Athleten wirst du schlechter sein. Vielleicht nur zwei Wiederholungen aber unterm Strich interessiert es keinen wie viel schlechter, denn Tatsache ist: Du bist schlechter gewesen! Klar kann jedes Bewegungsmuster verändert oder neu erlernt werden. Sei dir aber auch im Klaren: Je öfter ein Bewegungsmuster absolviert und dadurch verinnerlicht wurde, desto länger und aufwendiger wird der Umlernungsprozess! Es gibt auch Fälle die es nie wieder schaffen etwas umzulernen.

Anders verhält es sich bei erfahrenen CrossFittern, erfahrenen Gewichthebern welche die hochkomplexen Bewegungsmuster bereits beherrschen. Diese können durchaus schnelle und viele Wiederholungen mit wenig Gewicht durchballern, ohne Gefahr zu laufen ihr Bewegungsmuster langfristig zu verfälschen. Sie haben das korrekte Bewegungsmuster bereits eingeschliffen. Das ist aber kein Freifahrtsschein solche Dinge nicht mehr Üben zu müssen und noch weniger ein Garant dafür, dass sich jene Athleten nicht verletzen.

CrossFit ist mehr als nur Vergleichen! Üben und Trainieren ist ein wesentlicher Bestandteil und vor allem die Berücksichtigung des individuellen Leistungsstandes gehört zu einem guten programming und einem guten Coach dazu!

Im CrossFit geht es auch nicht nur darum, sich zu Vergleichen. Üben und Trainieren ist ein wesentlicher Bestandteil. Vor allem hat CrossFit verstanden, dass jeder einen individuellen Leistungsstand hat, weshalb Workouts an die individuellen Bedingungen angepasst, gescaled werden! Eine Anpassung kann auch durch die Abwandlung einer Übung und nicht nur durch Gewicht vorgenommen werden. Die Boxen oder die Coaches bei denen das nicht angekommen ist, ebenso die Athleten, bei denen das nicht angekommen ist: Die haben es nicht verstanden! Es ist auch nicht das Ziel jede Woche ein oder zwei Benchmarks raus zu hauen. Für mich gehören Benchmarks zum Thema Vergleichen. Wie ich aufgezeigt habe lässt Vergleichen das Üben und Trainieren nicht zu. Nein Leute, WODs können auch einfach nur als Training verstanden und sollten meiner Meinung nach so verstanden werden! Wenn du also in der nächsten Stunde von deinem Partner, von deiner Box, von anderen um dich rum voll gequatscht wirst, dass du RX machen sollst obwohl du weißt, dass du hast die Bewegungsmuster bei dem Gewicht nicht drauf… Sei schlauer, lasse es sein, das ist Bullshit!

Insofern, Ja, CrossFit muss sich mit der Kritik der hochkomplexen Bewegungsmuster unter hoher Intensität auseinandersetzen und das hat es schon im Vorfeld getan. Aber für die individuelle Vernunft der Person, ob Athlet oder Coach, kann CrossFit selbst keine Verantwortung übernehmen – allerhöchsten in der Frage der Qualität der Ausbildung der Coaches! Ansonsten hat CrossFit schon von Anfang an verstanden, welche Herausforderungen es bei hochkomplexen Bewegungsmustern zu berücksichtigen gilt!

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