Lebensmittelzusätze Teil 1: Sie süße Reue!

Seit einigen Tagen beschäftige ich mich mit dem Thema Lebensmittelzusätze. Dazu lese ich das Buch von Hans-Ulrich Grimm: Chemie im Essen – Lebensmittel-Zusatzstoffe. Wie sie wirken, warum sie schaden. Ich kann euch sagen, das ist eigentlich nicht mehr witzig wenn man alles unkritisch so hinnimmt wie er es beschreibt. Die Kurzzusammenfassung… Lebensmittelzusätze ob Phosphor, Nitrate, Glutamat, Farbstoffe, alles was wir unter Konservierungsstoffen oder Zuckerersatzstoffen verstehen im allgemeinen: jegliche Art von künstlich zugesetzter Chemie ist mitschuldig, vielleicht sogar DIE Ursache für die Gesellschaftskrankheiten der letzten 40 bis 50 Jahre und der heutigen Zeit.

Der heutige Artikel bietet eine kurze Zusammenfassung über das Kapitel welches sich vor allem mit den Zuckerersatzstoffen auseinander setzt.

An dieser Stelle muss ich vorne weg klar stellen, dass ich mich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit den wissenschaftlichen Quellen und Studien auseinander gesetzt habe, auf welche er sich in diesem Buch bezieht. Ich habe mir jedoch die Mühe gemacht und grob überschlagen auf wie viele Quellen er sich bezieht. Mit grob überschlagen 390+ Quellen auf 30,5 Seiten verteilt kann angenommen werden, dass seine Schlussfolgerungen und Ergebnisse nicht an den Haaren herbei gezogen sind. Zumal er sich mit Masse auf wissenschaftliche Studien und Untersuchungen oder wissenschaftliche Texte bezieht welche beispielsweise vom französischen Medizin-Forschungsinstituts INSERM im Journal of clinical Nutrition oder von Miriam Vos von der Emory University deren Arbeit im Journal oft he American Medical Association (JAMA) veröffentlicht wurden.

Dr Hyman Jacob Roberts in West Palm Beach in Florida hat bereits bei 1.300 seiner Patienten die von ihm so betitelte ‚Aspartam-Krankheit‘ diagnostiziert. Mit dieser Krankheit stehen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Depression, Gedächtnisverlust, Lethargie und Reizbarkeit in Verbindung. Aber auch von Stimmungsschwankungen und gewalttätigen Wutanfällen wird gesprochen. Der Zusammenhang mit Aspartam wird hergestellt, weil der Verzicht auf mit Aspartam gesüsste Produkte zu rasanten Besserungen geführt hat. In diesem Zusammenhang wird sogar davon gesprochen, dass der exzessive Verzehr bis zu epileptischen Anfällen und Sehstörungen führen kann. Er bezieht sich dabei auf eine Studie aus Belgien welche dies im Zusammenhang mit dem exzessiven Verzehr von Diätcola sieht.

Erschreckenderweise berichtet er von einer Pilot-Hotline über welche 600 Piloten über ähnlichen Symptome im Cockpit berichtet haben. Bedenke ich einmal welche Folgen dadurch entstehen können verschlägt mir das regelrecht die Sprache.

Neben den eigenen Gefahren für Gehirn, das Krebsrisiko und allgemein die Gesundheit steht, wen verwundert es, Aspartam und andere Zuckerersatzstoffe auch in Verdacht eine wesentliche Gefahr für den ungeborenen Nachwuchs darzustellen. So zeigt laut Grimm eine Studie von Thorhallur Halldorsson durchgeführt an fast 60.000 schwangeren Frauen, dass bereit eine Light-Limonade/Tag die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt um 38% erhöht hat. Bei vier solche Light-Getränke/Tag stieg die Wahrscheinlichkeit auf 80% an. Der regelmäßige Verzehr kann den Gehalt die Konzentration von Phenylalanin im Blut von 50 auf 150 Mirkomol ansteigen lassen. In der Plazenta wiederum kann dieser Wert verdoppelt und im Gehirn des Fötus vervierfacht werden. In diesem Falle würde eine Konzentration von 1.200 Mikromol vorliegen schreibt Grimm mit Bezug auf Louis J. Elsas (emeritierter Professor für Kinderheilkunde) welcher Aspartam als Nervengift bezeichnet. In Laborversuchen habe diese Dosis Nervenzellen getötet. Auch bei Kleinkindern und Kindern sind Zuckerersatzstoffe überaus kritisch zu betrachten. Grimm bezieht sich auf die Blut-Hirn-Schranke welche bei Kindern noch unterentwickelt ist und weshalb schädliche Substanzen besser durchdringen können. Ironischerweise geben Eltern ihren Kindern Light-Produkte weil sie sich Sorgen um Karies machen.

Was ich nicht wusste: Lebensmittel welche mit Saccharin (E954) – eines der ältesten künstlichen Süsssungsmittel und aus dem Lösungsmittel Tolmol, welches wiederum aus Erdöl gewonnen wird – gesüsst und in den USA verkauft wurden mussten bis Ende der 90er Jahre folgenden Hinweis tragen: „Der Verzehr dieses Produktes kann ihre Gesundheit gefährden. Das Produkt enthält Saccharin, das sich bei Labortieren als krebserregend herausgestellt hat.“[1]Seit 1977 wurde Saccharin aufgrund der nachgewiesenen Krebsgefahr gänzlich verboten. Cychamat (E952) ist sogar seit 1969 in den USA verboten.

Auch wird Zuckerersatzstoffen eine appetitfördernde Wirkung nachgesprochen. Trotzdem finden Light-Getränke in Diäten immer wieder Verwendung (in der Vergangenheit nehme ich mich selbst dabei nicht raus). Spricht man mit manchen Light-Konsumenten so wird dieses Argument schnell verworfen und trotzdem, so Grimm, wird dieser Effekt in der Zuchttierhaltung ausgenutzt um die Tiere zum Essen zu bewegen und zu mästen.

Im Zusammenhang mit den Blutfettwerten verweist Grimm auf eine Studie (Caloric Sweetener Consumption and Dyslipidema among US Adults) von Miriam Vos welche im JAMA veröffentlicht wurde. Demnach wirkt sich Kunstsüße negativ auf die Blutfettwerte aus. Der Wert des HDL-Cholisterin wird um bis zu 300% gesenkt und die Tryglizeridwerte (welche als Risiko-Indikatoren für Herzkrankheiten gewertet werden) steigen.

Auch stellt Grimm mit Verweis auf das französische Medizin-Forschungsinstitut INSERM fest, dass das Diabetisrisiko bei Frauen um 15% ansteigt, wenn bereits ein halber Liter Light-Cola pro Woche verzehrt wird. Bei Mehrkonsum scheint es einen exponentiellen Effekt zu geben so steigt das Risiko bei 1,5L um 59%.

Zu den künstlichen Zuckerersatzstoffen gehört nach Grimm mittlerweile auch Stevia:

„Das weiße Pulver, in das die Chemiker die Stevia-Pflanze überführt haben, hat ganz andere Eigenschaften als die grüne Urwaldpflanze und ganz andere Wirkungen auf den menschlichen Körper. Es ist ein Zuckerersatzstoff, ein Süßstoff mit der E-Nummer 960“[2]

Weltweit werden 9.000 Produkte mit Aspartam künstlich gesüßt. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht und im örtlichen Supermarkt nachgefragt, wie viele verschieden Produkte dieser im Sortiment hat. Ich würde aber behaupten, abzüglich der Frischwaren wie Fleisch und Käse an der Metzgertheke sowie Obst und Gemüse ist damit das komplette Sortiment abgedeckt. Den Grund sieht Grimm in den Kosten: „Kunstsüße ist konkurrenzlos billig“[3].

Für den nachhaltigen und langanhaltenden Erfolg ist auch der Schlankheitswahn unserer heutigen Gesellschaft verantwortlich. Die Menschen hoffe ohne Reue, schlechtes Gewissen und ohne schlechten Einfluss auf die Figur das süße Leben führen zu können.

Zusammenfassend trifft Grimm es mit einer Aussage ziemlich gut auf den Punkt: „Für diese Hoffnung gibt es künstliche Süßstoffe […]. Was es allerdings nicht gibt: süße Leben ohne Reue“[4]

Doch wie soll man Zuckerersatzstiffen wie Aspartam, Maltit, Sorbit, Xylit (jetzt bekannt unter Birkenzucker) aus dem Weg gehen? Nun bei der Schier Zahl an Produkten (weltweit 9.000) ist es, ohne die Lebensmittel selbst zubereitet zu haben, wohl kaum möglich. Wer um den Griff zu einem Joghurt oder ähnliches im Supermarkt nicht drum herum kommt: Aspartam setzt sich aus Phenyalanin und Asparaginsäure zusammen. Oft direkt auf Aspartam verwiesen sondern nur darauf, dass das Produkt eine Phenylalanin-Quelle besitzt. In einem ersten Schritt hilft es darauf zu achten. Aber seien wir nicht naiv… Die Lebensmittelchemie hat nicht nur Aspartam ‚erschaffen‘ welches als kritisch zu betrachten ist. Grimm beschreibt in seinem Buch eine Vielzahl anderer chemischer Zusatzstoffe welche als äußerst kritisch zu betrachten sind und nur ein Ziel haben: Die Haltbarkeit des Produktes zu erhöhen.

Wie gesagt: Mir läuft es eiskalt des Rücken runter wenn ich mich die Informationen regelrecht durch den Kopf gehen lasse, doch stelle ich auch fest, dass es gar nicht mal so einfach ist im Supermarkt Produkte zu finden welche frei von solchen Zusatzstoffen sind. Da bleibt einem fast nichts anderes mehr über als: frisch einkaufen, selber zubereiten.

Es gilt aber auch zu sagen, dass dies ‚nur‘ eine Kurzzusammenfassung dessen ist was Grimm in seinem Buch schreibt. Weder wurden die Quellen näher beleuchtet noch habe ich alles aufgezeigt was er anregt. Das zuvor geschilderte zeigt jedoch eines ganz deutlich: Die Gefahren für unseren Organismus was die Lebensmittelchemie betrifft sind vielfältig und definitiv nicht zu vernachlässig. Und wer glaubt „Hah ich trinke also wieder Cola statt Cola-Light“ dem will ich gleich sagen: Das macht keinen Unterschied! Chemie ist in dem einen sowie in dem anderen.

Fußnoten27

[1] Grimm 2013 S. 41, [2] Grimm 2013 S. 51, [3] Grimm 2013 S. 39, [4] Grimm 2013 S. 39

2013, Grimm, Hans-Ulrich, Chemie im Essen: Lebensmittel-Zusatzstoffe. Wie sie wirken, warum sie schaden

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